Erfahrungsbericht I 12. April 2017
Dottor Raselli, Poschiavo – Die clevere Allgemeinpraxis an der Südgrenze der Schweiz
Dottor Raselli, Poschiavo – Die clevere Allgemeinpraxis an der Südgrenze der Schweiz

Dr. Cristian Raselli

Wie bewältigt ein junger Allgemeinpraktiker die herausfordernde Situation, die sich durch seine periphere Praxis im südschweizerischen Puschlav ergibt? Wie kann er die fachärztlichen, techno­logischen, administrativen Erwartungen er­füllen, die heute auch von der Bevölkerung in einem Bergtal gestellt werden? Diese Reportage zeigt, wie Dr. Cristian Raselli in seiner Doppelfunktion als Belegarzt im örtlichen Ospedale San Sisto in Poschiavo und als selbstständiger ­Allgemein­praktiker durch Ko­operationen und mittels Einsatz moderner Praxis-IT arbeitet. Es bedeutet für das italienisch­sprachige Tal mit seinen 4’700 Be­wohnern eine glückliche Lösung, dass der ­ein­heimische ­Cristian Raselli ins Tal zurückgekehrt ist und die bisherige Hausarztpraxis von Dr. E. ­Bontognali zusammen mit den MPA übernehmen konnte. Umso mehr, als eine andere Hausärztin am Ort, Dr. ­Marianne Darmstadt, auch bald in Rente geht.

Digitalisierung und eingesetzte Technologien gestatten effizientes Arbeiten

Durch seine Ausbildung an verschiedenen Schweizer Spitälern, durch den Besuch eines FMH Praxis-Workshops und durch Empfehlung ­anderer Ärzte ist Dr. Cristian Raselli mit der Praxis­lösung vitomed in Kontakt gekommen. Im Zusammenhang mit einer möglichen Ver­tiefung der Zusammen­arbeit unter den Puschlaver Ärzten hat Vitodata ­Berater Markus Reust vor Ort die Möglichkeiten ­einer vitomed Mandantenlösung und die ­Ver­bindung zum Rechenzentrum mit der Möglichkeit von dezentralen ­Praxis­standorten ­demonstriert. In der Folge werden sich die Haus­ärzte des Tales in den nächsten Jahren zu ­einem «centro medico» (Gruppen­praxis) zusammen­schliessen und die ASP-Lösung ­einsetzen.



Ein Ortsbild von nationaler Bedeutung: Piazza Comunale mit seinen steingedeckten Häusern aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Foto: Vincent Pasquier

ASP - vollumfängliche Betreuung aus der Ferne statt langer Autoreise

Dr. Raselli hat sich von Anfang an für die sogenannte ASP-Lösung der Vitodata AG entschieden. Die einfache, zukunftsgerichtete Erweiterbarkeit war ein wichtiges Entscheidungskriterium. Hard- und Software werden in diesem Fall gemietet und nicht gekauft. Vor allem liegt die Betreuung der gesamten System-Administration (Abwicklung der täglichen Datensicherung, Einspielen von Patches und Updates) und die Verantwortung für das ­sichere Funktionieren der drei Arbeitsplätze in der Verantwortung der Vitodata AG. Nötigenfalls kann dazu auch das Auswechseln eines Computers ohne Anwesenheit eines Technikers gehören. Der junge Arzt (verheiratet, drei Kinder) nutzt ­vitomed Mobile Access: Dies ermöglicht ihm, ­vitomed von zu Hause oder aus dem Spital zu starten und die Dateien ­seiner Patienten zu be­arbeiten oder die digitalisierten Krankengeschichten im Spital mit den aus­wärtigen Spezialisten (zum Beispiel Onkologe und Radiologe) zu besprechen. Dies ver­einfacht und profes­sionalisiert den Informations­austausch erheblich. Nebenbei: Die Mehrsprachigkeit von vitomed wird geschätzt, weil im Tal italienisch ge­sprochen wird.



Dr. Cristian Rasellii

Das Team wurde während zwei Tagen in der ­vitomed Anwendung geschult (ein Tag im Schulungs­zentrum der ­Vitodata AG, ein Tag in der Praxis in Poschiavo). Zudem prüft Raselli als Pilot-Praxis den Ein­satz des neuen Moduls MedIndex Online (MIO). Für Medikamenten­suche, Unverträglichkeits­prüfung, Stamm­daten­bewirtschaftung usw. muss dank dieser Lösung weniger Zeit aufgewendet ­werden (lesen Sie auch den separaten Blog-Eintrag zu diesem Thema). In den ersten Tagen mit ­vitomed wurde anfänglich regelmässig und ­später ­sporadisch der Service Desk der ­Vitodata AG genutzt; die MPA sind sehr zufrieden mit der Be­treuung durch den Vitodata Hauptsitz.



Der Patient bleibt im Mittelpunkt

Dr. Raselli ist überzeugt, dass moderne Technologie Freiräume schafft für Gespräche mit Spezialisten und für die Behandlung der Patienten sowie einen Beitrag zur Qualitätssicherung in der Arztpraxis liefert. Er erachtet den persönlichen Kontakt im Belegarzt-Spital «Ospedale San Sisto» als ausser­ordentlich wichtig. Dort treffen sich die Ärzte der Talschaft monatlich zu einem «Doctors Lunch» und besprechen unter anderem Röntgenbilder mit einem auswärtigen Radiologen. Dr. C. Raselli ist vorwiegend in ­seiner eigenen Praxis tätig (8 – 12 und 14 – 18 Uhr) und absolviert von 13 – 14 Uhr im Spital die Visite seiner Patienten. Die Patientinnen und Patienten im Spital werden zusammen mit einer Spitalärztin betreut. Für den Notfalldienst steht er eine Woche je Monat auf Pikett (dieser Dienst wird unter den vier Ärzten des Tales aufgeteilt). Trotz seiner Mehr­fachbelastung strahlt der junge Arzt Begeisterung für seinen Beruf aus und zeigt sich sehr offen gegen­über den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung in der Praxis.



Stimmungsbild aus dem Borgo von Poschiavo: Das Rathaus mit dem ehemaligen Wehrturm Torre Comunale. Foto: Vincent Pasquier

 

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