Erfahrungsbericht I 13. März 2018
Oelepraxis – Ärztezentrum Attiswil-Wiedlisbach AG – Landpraxis mit Vorbildcharakter
Oelepraxis – Ärztezentrum  Attiswil-Wiedlisbach AG – Landpraxis mit Vorbildcharakter

Dr. med. Christian Stolz im Interview

Das charmante, historische Städtchen ­Wiedlisbach BE am ­Jura-Südfuss wurde 1974 für seine beispiel­hafte Ortsbildpflege mit dem Henri-­Louis-­Wakker-Preis und 1975 durch den Europarat aus­­gezeichnet. 40 Jahre später zeichneten sich bezüglich der Gesundheits­versorgung jedoch dunkle Wolken ab:

Die beiden ­selbst­ständigen örtlichen Hausärzte, Dr. U. R. Obrecht und Dr. P. U. Fuchs, planten in ­absehbarer Zeit die Schliessung ihrer Praxen. Beiden Allgemein­praktikern lag jedoch sehr am Herzen, ein sich abzeichnendes Versorgungsdefizit durch eine Nachfolgeregelung zu vermeiden.



Patienten-Empfang mit moderner Ausstrahlung



Digitaler Wandschmuck

Organisationsberatung durch externe Fachleute

Den beiden Ärzten, Initianten und Gründern der 2015 neu gegründeten Oelepraxis, Ärztezentrum Attiswil-Wiedlisbach AG, war bewusst, dass ein ganzheitlicher Neustart für ein Ärztezentrum ­modernen Zuschnitts in räumlicher und ­personeller Hinsicht erforderlich war. Für die Gewinnung junger Ärzte war die Planung einer Gemeinschaftspraxis zwingend erforderlich: Nur so kann die Praxis­tätigkeit mit zeitgemässer Lebens­qualität in Übereinstimmung gebracht werden. Die Raum­bedürfnisse für ein modernes Ärztezentrum machten klar, dass ein entsprechender Neubau geplant und finanziert werden musste. Die beiden ­Initianten erkannten, dass sie für die Realisation des Vorhabens externe Fachpersonen beiziehen mussten, galt es doch, ein medizinisches KMU auf die Beine zu stellen. Dabei wurden ­wichtige Teilleistungen durch die Fachspezialistin PraxaMed Center AG erbracht (z.B. Planung der neuen ärztlichen Infrastruktur und Kontakte zu Dienstleistern und Lieferanten). Als Beraterin für die Unternehmensentwicklung wurde die Fachfrau ­Susanne Peter ver­pflichtet. Für die Praxisadministration wurde die Lösung vitomed ­evaluiert. Dr. Stolz erwähnt hier die für seine Arbeitsweise besonders zweckmässige Remote Desktop ­Service-Lösung (RDS), welche ihm den Datenzugriff bzw. das Arbeiten von zu Hause aus erlaubt.

Von den drei aktiven Medizinern

  • Dr. med. Christian Stolz
  • Dr. med. Karen M. Tiemann
  • Dr. med. Dimitrios Ntoukas

sind die ersten zwei im Verwaltungsrat vertreten, welcher zweimal jährlich tagt. Die unternehmerische Verantwortung im täglichen Betrieb wird unter den drei Ärzten aufgeteilt.



Praxisinterne Apotheke



Untersuchungszimmer

Kommunikation im täglichen ­Betrieb und Aspekte eines jungen Unternehmens

Die Grösse des Ärztezentrums (2 Ärzte, 1 Ärztin und 8 MPA) stellt Anforderungen an eine klare interne Kommunikation. Dieser fachliche und organisatorische Austausch wird systematisch gepflegt. So werden kurze regelmässige Meetings der Fach­gruppen durchgeführt (Front, Back­office, Labor, Apotheke usw.). Diese ­Struktur ermöglicht, der ­Organisationsphilosophie «Mut zu neuen ­Lösungen» nachzuleben, hohe Qualitäts­ansprüche zu erfüllen und nötigenfalls Massnahmen zur Krisen-Intervention zu treffen. Ein sympathisches Detail: Im ganzen Unternehmen herrscht die «Du-Kultur». Die «Leitende MPA» (mit Sitz in der Geschäfts­leitung) und «stv. Leitende MPA» bilden Dreh­scheiben in der internen Organisation und ­ent­lasten die Ärzte in Fragen von Organisation, Administration und Technologie.



Im Entrée des Ärztezentrums: Reminiszenz an den ehemaligen Hausarzt



Ärztliches Instrumentarium aus prädigitaler Zeit

Vorbild zur Problemlösung in ländlichen Regionen

Das vorliegende Beispiel zeigt, wie ältere Hausarzt­praxen Hand zu einer Neuausrichtung der medizinischen Infrastruktur auf dem Land bieten können. Dabei kann von der Erfahrung der Vor­gänger und allenfalls auch von deren Bereitschaft zur Mitfinanzierung profitiert werden. In An­betracht des hohen Finanzierungsbedarfs (etwa bei der Beschaffung von IT und Medizinaltechnik), ist die Unternehmensform einer Aktiengesellschaft betriebswirtschaftlich und steuer­technisch ­interessant. Die finanzielle Beteiligung von ­jungen Ärztinnen und Ärzten, welche oft direkt aus dem Spital kommen, wird damit unter Um­ständen über­haupt erst machbar. Das Ärztezentrum unterhält im übrigen gute Kontakte zu den Gesundheitszentren in Bern, Solothurn, Olten und Langenthal.



Schon der Vater von Christian Stolz war Hausarzt.

Sympathische Nebeneffekte

Das Beispiel «Ärztezentrum Oelepraxis» zeigt günstige Effekte im Bereich der Arbeisplatz­sicherung: Mehrere MPA waren in den «alten» Praxen tätig und arbeiten jetzt im neuen Ärzte­zentrum. Von den Patientinnen und Patienten wird es geschätzt, am neuen Ort die bekannten Gesichter anzutreffen. Durch Wechselaus­stellungen von örtlichen Künstlerinnen und ­Künstlern wird die Bindung zum Standort ­gefördert und in den Praxisräumen eine Gelegenheit ge­schaffen, sich im Dialog mit Patientinnen und Patienten ausserhalb der Medizin auszutauschen.



Warteraum mit Kinderecke







Wechselausstellung: Bilder des örtlichen Künstlers Karl Weichhart

 

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Oelepraxis – Ärztezentrum Attiswil-Wiedlisbach AG
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